Versicherungsantrag ohne Vorjahreszahlen: welchen Umsatz gibst du an?

Von Tim Gorke. Aktualisiert am 26.09.2026. Lesezeit 7 Min.

Wenn du dieses Jahr gegründet hast, gibt es keinen Vorjahresumsatz. In das Feld gehört dein geplanter Umsatz für die ersten zwölf Monate, klar als Planzahl gekennzeichnet. Sie ist Grundlage für den Beitrag und Teil deiner Anzeigepflicht, keine Grenze der Deckung. Die Staffeln liegen dabei eng beieinander: Zwischen 30.000 € und 50.000 € Umsatz liegen 5 € Beitrag im Jahr.

Was trägst du als Vorjahresumsatz ein, wenn du im Februar gegründet hast?

Deinen Planumsatz für die ersten zwölf Monate. Und du schreibst dazu, dass es eine Planzahl ist.

Das Formular fragt nach dem Vorjahresumsatz, weil es für Bestandsunternehmen gebaut wurde. Bei einer Neugründung gibt es diese Zahl schlicht nicht. Wer trotzdem etwas einträgt, gibt faktisch eine Prognose ab, ohne sie als solche zu kennzeichnen.

An dieser einen Zahl hängen zwei Dinge gleichzeitig:

Wichtig für die Einordnung: Der Umsatz ist Beitragsbemessungsgrundlage, keine Deckungsgrenze. Eine Unterversicherung wie in der Sachversicherung gibt es in der Haftpflicht nicht. Wenn du 50.000 € angibst und ein Schaden über 400.000 € eintritt, zahlt der Versicherer bis zur vereinbarten Versicherungssumme, nicht bis zu deinem Umsatz. Wie die Sparten zusammenspielen, steht im Guide zur IT-Versicherung für Startups.

Was als Umsatz zählt, ist ebenfalls definiert: der eigene Jahresumsatz abzüglich Umsatzsteuer, bei mehreren versicherten Gesellschaften konsolidiert. Wenn du eine Plattform oder einen Marktplatz betreibst, sind damit deine eigenen Erlöse gemeint, also Abo-Gebühren und Provisionen, nicht das über die Plattform abgewickelte Volumen.

Aus unserer Beratung: Ein Einzelunternehmer mit einer Plattform hatte im Antrag 10.000 € als Vorjahresumsatz eingetragen. Gegründet hatte er im Februar desselben Jahres. Wir haben nachgefragt, bevor der Antrag rausging: Ist das die Planzahl für das erste Jahr, oder fließen heute schon Einnahmen aus einer Tätigkeit, die es vorher gab? Es war die Planzahl. Sie ging dann als Planzahl in den Antrag, mit einem Satz zur Herleitung. Aufwand: eine Mail.

Wie schätzt du deinen Umsatz für den Antrag seriös?

Rechne von unten nach oben: unterschriebene Verträge plus realistische Pipeline für zwölf Monate. Und runde auf die nächste Staffel auf, wenn du dazwischen liegst.

Ausgangspunkt So rechnest du Typischer Fehler
Laufende Verträge Alles summieren, was in den nächsten zwölf Monaten sicher abgerechnet wird Wird vergessen, weil das Geld noch nicht auf dem Konto ist
Pipeline Nur das ansetzen, was du mit über 50 Prozent Wahrscheinlichkeit abschließt Der Investoren-Businessplan wird eins zu eins übernommen
Preis mal Kunden Realistische Kundenzahl am Jahresende, nicht die Zielzahl aus dem Pitchdeck Die Kurve knickt im Monat vier nach oben, ohne Grund
Plattform oder Marktplatz Nur eigene Erlöse: Abo, Provision, Gebühren Das gesamte abgewickelte Transaktionsvolumen wird eingetragen
Tätigkeit gab es vorher schon Umsatz aus Freelance-Zeit oder Einzelunternehmen angeben, plus Plan Wird als „keine Vorjahreszahlen“ deklariert, obwohl es welche gibt

Zwei Faustregeln helfen dabei:

Was passiert, wenn du den Umsatz zu niedrig schätzt?

Das hängt davon ab, ob die Prognose sich nicht erfüllt hat oder ob die Zahl von Anfang an nicht stimmte. Das sind zwei verschiedene Fälle mit sehr verschiedenen Folgen.

Für die verspätete oder ausgebliebene Umsatzmeldung ist die Folge in den geprüften Bedingungen konkret geregelt: Es gilt dann die nächsthöhere Umsatzstaffel. Wird die Meldung innerhalb eines Monats nachgeholt, zählt wieder die tatsächliche Angabe. Andere Anbieter formulieren es als nächsthöheres Umsatzband, die Logik ist dieselbe.

Ein Detail wird oft falsch verallgemeinert: Ein pauschaler Zuschlag von 20 Prozent auf den Umsatz ist keine allgemeine Regel. In den geprüften Bedingungen greift er nur für Umsätze oberhalb des Antragsmodells, also jenseits von 10 Mio. €. Für ein Startup mit 80.000 € Umsatz ist er schlicht nicht einschlägig. In der D&O gibt es je nach Anbieter eine eigene Regel: Dort kann der Versicherer die für die gesamte laufende Versicherungsperiode vereinbarte Prämie noch einmal verlangen.

Was dagegen nicht passiert: eine rückwirkende Nachberechnung für abgeschlossene Versicherungsperioden. Und keine Leistungskürzung, nur weil der Umsatz höher war als angegeben. Der Umsatz ist und bleibt Rechengröße für den Beitrag.

Welche Kosten hängen an der Umsatzstaffel?

Wenig, jedenfalls in den unteren Staffeln. Zwischen 30.000 € und 75.000 € Umsatz liegen im geprüften Beitragstableau 15 € im Jahr.

Jahresumsatz Grund­beitrag IT-Haftpflicht, 500.000 € Versicherungs­summe Aufpreis zur Stufe darunter
bis 30.000 € 340 € Ausgangswert
bis 50.000 € 345 € 5 €
bis 75.000 € 355 € 10 €
bis 100.000 € 405 € 50 €

Das sind Nettobeiträge vor Nachlässen und nur der Grundbaustein. Betriebshaftpflicht, Eigenschadenbaustein und ein Cyber-Modul kommen obendrauf. Ein vollständiges Paket für ein KI-Startup mit 100.000 € Umsatz (IT-Haftpflicht 1 Mio., Betriebshaftpflicht 3 Mio., Eigenschaden) lag je nach Versicherer bei 632,19 € bzw. 637,24 € brutto im Jahr (Stand 09/2026).

Drei Stellschrauben verschieben den Beitrag stärker als eine Umsatzstaffel:

Den Gesamtüberblick über die Beiträge je Phase findest du im Guide zu den Kosten der Startup-Versicherung.

Musst du melden, wenn der Umsatz während des Jahres steigt?

Während des Jahres nicht. Einmal im Jahr fragt der Versicherer aber von sich aus nach.

Aus unserer Beratung: Ein KI-Startup lag mit 100.000 € Umsatz in der Beitragsberechnung und plante für das Folgejahr 1 Mio. € Umsatz. Die Frage war, ob die Planzahl sofort in den Antrag gehört. Antwort: nein. In den Antrag gehört die Basis, mit der ihr tatsächlich startet, plus der Hinweis auf den Plan. Die Erhöhung läuft über die Jahresmeldung. Der Vorteil liegt auf der Hand: Ihr zahlt zwölf Monate lang den Beitrag für 100.000 €, nicht für 1 Mio.

Welche Angaben braucht der Antrag außerdem?

Neben dem Umsatz sind es fünf Blöcke: Tätigkeit, Gründungsdatum und Rechtsform, Vorschäden, IT-Sicherheit für die Cyber und Finanzierungsfragen für die D&O.

Ein organisatorischer Punkt kommt dazu: Den Antrag können wir erst stellen, wenn die Maklerdokumente unterschrieben sind, denn erst damit sind wir für dich tätig. Plan dafür einen halben Tag ein, nicht eine Woche. Welche Policen in der frühen Phase überhaupt nötig sind, steht im Guide zur Versicherung in der Pre-Seed- und Seed-Phase.

Alle Angaben beisammen?

Stand 09/2026. Maßgeblich sind die Bedingungen und der Versicherungsschein deines Vertrags.

Haeufige Fragen

Welchen Umsatz gebe ich an, wenn mein Startup noch keinen Umsatz hat?

Deinen geplanten Umsatz für die ersten zwölf Monate, ausdrücklich als Planzahl gekennzeichnet. Rechne von unten: laufende Verträge plus die Pipeline, die du mit über 50 Prozent Wahrscheinlichkeit abschließt. Der Investoren-Businessplan ist dafür die falsche Quelle. Gab es die Tätigkeit vorher schon als Freelancer oder Einzelunternehmen, gehört dieser Umsatz ebenfalls in den Antrag.

Was passiert, wenn ich den Umsatz zu niedrig schätze?

Erfüllt sich nur die Prognose nicht, wird der Beitrag über die jährliche Umsatzmeldung korrigiert. Bleibt die Meldung aus, gilt die nächsthöhere Umsatzstaffel. Wird sie innerhalb eines Monats nachgeholt, zählt wieder die tatsächliche Angabe. War die Zahl dagegen schon beim Antrag falsch, greift die Anzeigepflicht nach Paragraf 19 VVG, mit Folgen bis zum Rücktritt.

Ist der angegebene Umsatz eine Obergrenze für die Leistung?

Nein. Der Umsatz ist Beitragsbemessungsgrundlage, keine Deckungsgrenze. Eine Unterversicherung wie in der Sachversicherung gibt es in der Haftpflicht nicht. Entscheidend für die Leistung ist die vereinbarte Versicherungssumme. Ein Startup mit 50.000 € Umsatz und 1 Mio. € Versicherungssumme bekommt im Schadenfall bis zu 1 Mio. €, nicht bis zu 50.000 €.

Muss ich Umsatzänderungen während des Jahres melden?

Nein, während des Jahres nicht. Der Versicherer schickt mindestens einmal jährlich einen Fragebogen, teils rund zwei Monate vor Ablauf des Versicherungsjahres. Die Frist zum Antworten beträgt drei Monate. Die Beitragsanpassung wirkt dann für die gesamte laufende Versicherungsperiode ab deren Beginn. Für frühere Perioden wird nichts nachberechnet.

Was gehört in die Tätigkeitsbeschreibung?

Alles, womit du Geld verdienst, im Klartext und ohne Marketingsprache. Die Beschreibung wird Vertragsbestandteil, und die Risikoangaben gelten als vorvertragliche Anzeigen. Nenne auch Randtätigkeiten, die heute nur einen kleinen Teil deines Umsatzes ausmachen. Was nicht im Antrag steht, kann im Schadenfall zur Diskussion werden, ob der Fall zur versicherten Tätigkeit gehört.

Wer bekommt den Startup-Nachlass?

Wer bei Antragstellung vor höchstens zwölf Monaten gegründet hat. Üblich sind 15 Prozent für die ersten beiden Versicherungsjahre, ein anderer Anbieter gibt 10 Prozent, in einzelnen Sparten gibt es ihn gar nicht. Er kann zur übernächsten Hauptfälligkeit erlöschen, also vor Ablauf von 24 Monaten. Mehrere Nachlässe wirken multiplikativ: 15 und 10 Prozent ergeben 23,5 Prozent.