Internationalisierung (USA/UK): Wo deutsche Policen enden
Von FoundersCover Team. Aktualisiert am 14.02.2026. Lesezeit 7 Min.
USA ist der härteste Markt für Versicherungen. Klagen sind teuer (Punitive Damages), Prozesse lang. Deutsche Standard-Policen schließen USA/Kanada oft aus oder decken nur "Bürotätigkeiten". Ihr braucht explizite US-Deckung.
Warum das Thema wichtig ist
Ein einziger Rechtsstreit in den USA kostet durchschnittlich 100.000 $+, bevor ein Urteil fällt.US-Anwälte arbeiten auf Erfolgsbasis (Contingency Fee), Klagen wird zum Sport. Ohne Schutz seid ihr Freiwild.
Was du konkret wissen musst
Kritische Begriffe:
- Punitive Damages: Strafschadenersatz (Millionenhöhe), um euch zu "bestrafen". In DE-Policen meist ausgeschlossen!
- US-Gerichtsstand: Wenn ihr in NY verklagt werdet, muss die Versicherung US-Anwälte zahlen.
- Claims-made Prinzip: US-Standard. Versichert ist der Moment der Klagestellung, nicht der Schadensverursachung. Wichtig bei Versichererwechsel.
Typische Fehler & Missverständnisse
- Fehler: "Weltweit gültig" heißt oft "Weltweit OHNE USA/Kanada". Lest das Kleingedruckte.
- Missverständnis: "Wir haben da nur eine LLC-Hülle." Haftungsdurchgriff ist in USA aggressiver.
Pragmatische Empfehlung (Must-have vs. Later)
- Must-have: US-Deckungseinschluss in Haftpflicht & D&O VOR dem ersten US-Umsatz.
- Later: Lokale US-Police (Admitted Carrier). Meist erst nötig bei eigenem US-Office mit Mitarbeitern.
Checkliste: Going Global
- Haftpflicht auf "Weltweit INKL. USA/Kanada" umgestellt?
- Deckungssumme ausreichend (USA min. 5-10 Mio. $)?
- Exportiert ihr Produkte? (Produkthaftung USA ist teuer!)
- Mitarbeiter vor Ort? (Workers Compensation ist Pflicht in USA!)
- D&O-Versicherung auf US-Recht angepasst?
Mini-FAQ
Warum ist USA so teuer?
Jury-Prozesse, kein "Loser pays"-System (jeder zahlt Anwalt selbst), extreme Schadenersatzsummen.
Was kostet der US-Zuschlag?
Rechnet mit +50% bis +100% auf den Versicherungsbeitrag, sobald relevanter US-Umsatz da ist.
Was ist mit UK nach dem Brexit?
Unproblematischer als USA, aber englisches Recht weicht vom deutschen ab. Meist in "Europa"-Deckung noch enthalten.
Brauche ich eine US-Versicherung vor Ort?
Nur wenn ihr dort Mitarbeiter (Payroll) oder Büros (Miete) habt. Für reinen Export reicht die deutsche "Exporteure-Deckung".
Was sind Class Actions?
Sammelklagen. Der Albtraum jeder D&O. Achtet darauf, dass die D&O das deckt.
Deckt ihr Punitive Damages?
Wir versuchen, sie einzuschließen, wo es rechtlich geht. Oft gibt es aber gesetzliche Verbote der Versicherbarkeit.
Nächste Schritte
Wenn "USA" in der Roadmap steht: Budgetiert doppelte Versicherungskosten ein. Sprecht uns 3 Monate vorher an.