Produkthaftung vs. Betriebshaftpflicht: Was gilt bei B2B und B2C?
Von FoundersCover Team. Aktualisiert am 14.02.2026. Lesezeit 5 Min.
Betriebshaftpflicht deckt Schäden durch euren "Betrieb" (Büro, Mitarbeiter). Produkthaftung deckt Schäden durch euer "Produkt" (explodierender Akku, fehlerhaftes Teil). Für Software-Startups ist oft die IT-Haftpflicht wichtiger als die klassische Produkthaftung.
Warum das Thema wichtig ist
Der Begriff "Produkthaftung" verwirrt viele Gründer. B2B-Kunden fordern sie oft pauschal. Es ist wichtig zu wissen, ob ihr sie als Software-Bude überhaupt braucht – oder ob sie nur für Hardware relevant ist. Spätestens wenn eure Software einen Menschen verletzen kann, wird die Frage konkret: welche Police bei einem Personenschaden durch eine App zahlt.
Was du konkret wissen musst
Unterscheidung:
- Konventionelle Produkthaftung: Wenn eine Sache (Hardware) einen Schaden verursacht (z.B. E-Bike Akku brennt Haus ab).
- Erweiterte Produkthaftung: Deckt Kosten, wenn euer Teil verbaut wurde und ausgebaut werden muss (Rückruf, Ausbaukosten).
- Software? Die neue EU-Produkthaftungsrichtlinie zählt Software ausdrücklich als Produkt, für alles, was ab dem 9. Dezember 2026 in Verkehr gebracht wird. Personen- und Sachschäden gehören damit in die Produkt- und Betriebshaftpflicht. Reine Vermögensschäden bei euren Firmenkunden bleiben dagegen Sache der IT-Haftpflicht. Was das konkret bedeutet, steht im Ratgeber zu Personenschäden durch App und Software.
Typische Fehler & Missverständnisse
- Fehler: Als SaaS-Startup eine teure "Erweiterte Produkthaftung" kaufen, obwohl man gar keine Hardware liefert.
- Missverständnis: "Betriebshaftpflicht reicht für alles." Nein, sie deckt oft KEINE Schäden, die das Produkt selbst verursacht.
Pragmatische Empfehlung (Must-have vs. Later)
- Must-have (Hardware): Volle Produkthaftpflicht inkl. Rückrufkosten.
- Must-have (Software/SaaS): IT-Haftpflicht (Vermögensschaden). Die "Betriebshaftpflicht" ist hier nur der Basisschutz fürs Büro.
Checkliste: Hardware vs. Software
- Stellen wir physische Produkte her? (Ja -> Produkthaftung Pflicht)
- Importieren wir Produkte in die EU? (Ja -> Wir gelten als Hersteller -> Haftung!)
- Liefern wir Code, der Maschinen steuert? (Ja -> Tech-Haftpflicht prüfen!)
- Verkaufen wir an Endverbraucher (B2C)? (Strenge Haftungsregeln)
Mini-FAQ
Ich bin Importeur (Dropshipping). Hafte ich?
Ja! Wer Ware in den EWR einführt, haftet wie der Hersteller (ProdHaftG). Ihr braucht zwingend Schutz.
Deckt das auch Designfehler?
Oft ja, wenn dadurch Personen zu Schaden kommen.
Was ist, wenn meine App das Handy des Users "brickt"?
Das ist ein Sachschaden an fremdem Eigentum. Kann über Betriebshaftpflicht oder IT-Haftpflicht gedeckt sein (je nach Bedingung).
Brauche ich Rückrufkostenversicherung?
Nur wenn ihr physische Produkte in großer Stückzahl im Markt habt. Für Apps macht "Rückruf" technisch keinen Sinn.
Wie hoch sollte die Deckung sein?
Bei Personenschäden (Hardware) mind. 3-5 Mio. €. Körperverletzungen werden teuer.
Gilt das weltweit?
Produkthaftung USA ist ein Minenfeld. Exportiert ihr in die USA? Dann unbedingt Police prüfen.
Nächste Schritte
Klärt euren Status: Seid ihr reines SaaS (Fokus IT-Haftpflicht) oder „toucht“ ihr Hardware (Fokus Produkthaftung)?
Sonderfall Lebensmittel und Nahrungsergänzung: Dort kommen Chargenrückruf, Kennzeichnungsfehler und Warenbestände beim Fulfiller als eigene Risikofelder dazu. Welche Bausteine in welcher Reihenfolge nötig sind, zeigt unsere Seite zu Versicherungen für Food- & Supplement-Startups.