Welche Versicherungssumme braucht dein Startup?
Von Tim Gorke. Aktualisiert am 26.09.2026. Lesezeit 7 Min.
Die Versicherungssumme richtet sich nach deinem größten realistischen Schaden und nach dem, was deine Kundenverträge verlangen, nicht nach deinem Umsatz. Bei jungen Software-Startups sehen wir in der IT-Haftpflicht meist 500.000 € bis 1 Mio., Enterprise-Kunden fordern dort 3 bis 10 Mio. In der Betriebshaftpflicht sind 3 Mio. pauschal üblich, in der D&O 250.000 € bis 1 Mio.
Wonach richtet sich die richtige Versicherungssumme?
Nach dem größten Schaden, den du realistisch auslösen kannst, und nach deinen Verträgen. Dein Umsatz ist eine Rechengröße für den Beitrag, kein Maßstab für die Summe.
Vier Fragen führen zur Antwort. Die ersten drei betreffen vor allem die IT-Haftpflicht, die vierte auch Betriebshaftpflicht und D&O:
- Was passiert beim schlimmsten Fehler? Ein Bug legt den Shop deines größten Kunden lahm. Wie viel Umsatz verliert er an einem Tag, und wie lange dauert der Fix?
- Was steht im Kundenvertrag? Viele B2B-Verträge nennen eine Mindestdeckung. Wie du solche Klauseln liest, steht im Guide zur Haftung in Kundenverträgen.
- Wie viele Kunden hängen an derselben Codebasis? Ein Fehler trifft selten nur einen einzigen Kunden.
- Wer fordert sonst noch eine Summe? Investoren und Geschäftsführerverträge nennen oft eine Summe für die D&O, Vermieter eine für die Betriebshaftpflicht.
Drei Irrtümer hören wir dabei immer wieder:
- „Die Summe richtet sich nach meinem Umsatz.“ Nein. Der Umsatz bestimmt den Beitrag, das Schadenpotenzial die Summe.
- „Doppelte Summe heißt doppelter Beitrag.“ So einfach ist es nicht. Bei kleinen Summen kostet die Verdopplung oft nur einen Bruchteil, im Millionenbereich kann der Beitrag auch stärker steigen als die Summe. Die Staffeln weiter unten zeigen beides.
- „Maximale Summe plus maximaler Selbstbehalt ist am günstigsten.“ Das spart wenig Beitrag und trifft dich im Schadenfall sofort.
Welche Deckungssumme ist je Versicherung üblich?
Das hängt von der Sparte ab, weil jede Sparte einen anderen Schadentyp trägt. Diese Summen sehen wir bei Startup-Mandaten am häufigsten.
| Sparte | Üblich am Anfang | Wann mehr sinnvoll ist |
|---|---|---|
| IT-Haftpflicht (Vermögensschäden) | 500.000 € bis 1 Mio. | 3 bis 10 Mio., sobald ein Enterprise-Vertrag es verlangt |
| Betriebshaftpflicht (Personen und Sachen) | 3 Mio. pauschal | 5 oder 10 Mio., wenn Vermieter oder Kunde es fordern |
| Cyber (eigene Kosten nach einem Vorfall) | 100.000 € bis 500.000 € | 1 Mio., wenn du viele Kundendaten verarbeitest |
| D&O (Haftung der Geschäftsführung) | 250.000 € bis 1 Mio. | Startup-Tarife enden bei 1 Mio., darüber nur Einzelzeichnung |
Zwei harte Grenzen solltest du kennen. Der Cyber-Baustein innerhalb eines IT-Haftpflicht-Pakets ist auf 100.000 € begrenzt. Willst du 500.000 €, brauchst du eine eigenständige Cyber-Police, die es nach einem geprüften Angebot inklusive Betriebsunterbrechung für 621,77 € brutto im Jahr gab (Stand 07/2026). Und Startup-Tarife in der D&O enden bei 1 Mio. Deckungssumme.
Was die Sparten im Detail leisten, steht in unseren Guides zur IT-Haftpflicht für Gründer, zur Cyberversicherung für Startups und zur D&O für Startups.
Dein Kunde verlangt 5 oder 10 Millionen Deckung: was machst du jetzt?
Zuerst klären, welche Sparte der Vertrag überhaupt meint. In vielen Enterprise-Verträgen steht eine Summe ohne saubere Zuordnung, und dann wird von der Betriebshaftpflicht gefordert, was eigentlich die IT-Haftpflicht tragen muss.
- Sparte zuordnen: Programmier- und Beratungsfehler laufen über die IT-Haftpflicht, Personen- und Sachschäden über die Betriebshaftpflicht.
- Nachweis liefern: Meist reicht ein Versicherungsnachweis. Was darin stehen muss, steht im Guide zum Versicherungsnachweis (COI).
- Erhöhen statt wechseln: Innerhalb der Obergrenze deines Antragsmodells geht die Erhöhung per Nachtrag, ohne neuen Vertrag.
- Verhandeln: Nicht jede geforderte Summe ist gesetzt. Wie du diese Gespräche führst, steht im Guide zu Versicherungsanforderungen im Enterprise-Sales.
Aus unserer Beratung: Ein Legal-Tech-SaaS mit bis zu 500.000 € Umsatz sollte für einen Enterprise-Kunden in der IT-Haftpflicht auf 10 Mio. erhöhen. Wir haben drei Stufen gerechnet und die Sprünge nebeneinandergelegt. Der Gründer hat den Vertrag danach noch einmal gelesen, fand keine harte Pflicht zu 10 Mio. und entschied sich in der IT-Haftpflicht für 5 Mio.
Unsicher, welche Sparte die geforderte Summe betrifft, oder brauchst du mehr als 1 Mio. in der D&O?
Was kostet eine höhere Versicherungssumme?
Das hängt von der Versicherung und von der Stufe ab. In den unteren Stufen kostet mehr Summe oft wenig, im Millionenbereich kann der Beitrag auch stärker steigen als die Summe. Alle Werte hier stammen aus geprüften Angeboten.
IT-Haftpflicht
Das ist die Staffel aus dem Legal-Tech-Fall oben.
| Deckungssumme IT-Haftpflicht | Jahresbeitrag brutto | Aufpreis zur Stufe darunter |
|---|---|---|
| 3 Mio. € | 1.026,67 € | Ausgangswert |
| 5 Mio. € | 1.269,43 € | 242,76 € |
| 10 Mio. € | 2.811,97 € | 1.542,54 € |
Rahmen: Legal-Tech-SaaS, Umsatz bis 500.000 €, IT-Haftpflicht mit Betriebshaftpflicht und Eigenschadenbaustein, Stand 07/2026.
- Der Schritt von 3 auf 5 Mio. kostet 242,76 € im Jahr. Der Schritt von 5 auf 10 Mio. kostet 1.542,54 €, also gut das Sechsfache. Hier steigt der Beitrag stärker als die Summe.
- Bei sehr jungen Startups schlägt die Summe kaum durch. Ein Paket mit 500.000 € IT-Haftpflicht (dreifach maximiert), 3 Mio. Betriebshaftpflicht und Eigenschadenbaustein kostete bei bis zu 30.000 € Umsatz 455,18 € bzw. 460,23 € brutto. Dasselbe Paket mit 1 Mio. IT-Haftpflicht lag bei 546,21 € (Stand 08/2026).
Den Grundbeitrag der IT-Haftpflicht treibt vor allem der Umsatz. Für 500.000 € Deckungssumme liegt er netto vor Nachlässen bei 340 € bis 30.000 € Umsatz, 345 € bis 50.000 €, 355 € bis 75.000 € und 405 € bis 100.000 €.
Betriebshaftpflicht
Hier ist der Aufpreis am kleinsten. Innerhalb eines IT-Haftpflicht-Pakets kostet die Betriebshaftpflicht mit 5 statt 3 Mio. nur 20 € netto mehr im Jahr, mit 10 Mio. 40 € netto mehr.
Cyberversicherung
Für eine eigenständige Cyber-Police kosteten 100.000 € Deckungssumme inklusive Betriebsunterbrechung bei 1.000 € Selbstbehalt und bis zu 150.000 € Umsatz 404,60 € brutto (Stand 07/2026). 500.000 € lagen bei 100.000 € Umsatz bei 740,48 € mit und 623,56 € ohne Betriebsunterbrechung (Stand 09/2026).
D&O
In der eigenständigen D&O sieht die Staffel im Startup-Tarif so aus, jeweils zweifach maximiert:
| Deckungssumme | Startup-Tarif, Umsatz bis 1 Mio. | Startup-Tarif, Umsatz bis 5 Mio. | Stand |
|---|---|---|---|
| 100.000 € | 743,27 € brutto (Listeneinstieg) | nicht belegt | 03/2024 |
| 250.000 € | 1.022,59 €, mit 5 % Cyber-Nachlass 971,46 € | 1.289,96 € | 08/2026 |
| 500.000 € | 1.394,87 €, mit Nachlass 1.325,12 € | 1.551,76 € | 08 und 09/2026 |
| 1 Mio. € | 1.590,44 €, mit Nachlass 1.510,92 € | 2.101,54 € | 07 bis 09/2026 |
Alles Jahresbeiträge brutto. Zur Einordnung gehört ein Satz dazu: Das sind Beiträge aus Startup-Tarifen. Ein etabliertes Unternehmen zahlt für dieselbe Summe andere Beiträge, oft weniger, weil die Bilanz vorliegt und das Insolvenzrisiko anders bewertet wird. Eine GmbH aus 2021 zahlte für 1 Mio. Deckungssumme 791,35 € brutto (Stand 08/2026), also deutlich weniger als ein Startup mit derselben Summe. Umgekehrt gilt: Ohne Startup-Tarif lagen 5 Mio. Deckungssumme bei 1,5 Mio. Umsatz je nach Versicherer zwischen 3.063,06 € und 5.826,24 € brutto (Stand 07/2026).
Gilt die Summe je Schaden oder je Jahr?
Beides, und zwar in allen vier Versicherungen. Die Deckungssumme gilt je Versicherungsfall, dazu kommt eine Jahreshöchstleistung. „Zweifach maximiert“ heißt: Die Summe steht dir im Versicherungsjahr zweimal zur Verfügung, „dreifach maximiert“ dreimal.
Zwei Punkte machen deine Summe im Ernstfall kleiner, als sie aussieht:
- Serienschaden in der IT-Haftpflicht: Derselbe Fehler bei zehn Kunden ist ein Versicherungsfall. Der Selbstbehalt fällt nur einmal an, das ist der Vorteil. Die Kehrseite: Alle Betroffenen teilen sich eine Deckungssumme. Bei zehn Kunden mit je 50.000 € Schaden sind 500.000 € damit exakt aufgebraucht.
- Abwehrkosten in der D&O: Sie werden auf die Versicherungssumme angerechnet. Wer sich zwei Jahre gegen einen Anspruch wehrt, verbraucht Summe, bevor ein Cent Schadenersatz fließt. Manche Anbieter stellen ein Zusatzlimit für Abwehrkosten obendrauf, je nach Anbieter bis 50 % der Summe, höchstens 1 Mio. €.
Die richtige Frage lautet deshalb nicht „reicht die Summe für einen Kunden“, sondern „reicht sie für alle Kunden, die derselbe Fehler trifft, plus Anwälte“.
Kannst du die Versicherungssumme später erhöhen?
Ja, innerhalb deines Antragsmodells per Nachtrag, meist in wenigen Tagen. Alles darüber entscheidet der Versicherer im Einzelfall.
- Einfach: Erhöhung innerhalb der Grenzen, die dein Tarif vorsieht. Der Beitrag wird anteilig angepasst.
- Mit Prüfung: Alles oberhalb der Modellgrenze. Dann folgen ein Risikofragebogen und eine Einzelzeichnung, die auch abgelehnt werden kann.
- Nicht möglich: rückwirkend für einen Fall, der schon bekannt ist. Die höhere Summe gilt ab dem Nachtrag.
Zwei Deckel gelten im Startup-Segment: Cyber-Module innerhalb eines IT-Haftpflicht-Pakets enden bei 100.000 €, Startup-Tarife in der D&O bei 1 Mio. Wer mehr braucht, wechselt in eine eigene Police oder in die Einzelzeichnung. Achte beim Erhöhen außerdem auf die Unterlimits im Vertrag: Einzelne Entschädigungsgrenzen bleiben oft stehen, auch wenn die Hauptsumme steigt.
Wann ist in der D&O keine höhere Summe möglich?
Wenn Summe und Unternehmensgröße nicht zusammenpassen. 5 Mio. D&O bei 50.000 € Umsatz zeichnet im Startup-Segment niemand, weil die Startup-Tarife bei 1 Mio. enden.
Dazu kommt das Zugangsfenster: Startup-Tarife in der D&O gelten bei einem Anbieter bis 18 Monate nach Gründung, beim anderen bis 36 Monate nach dem Handelsregistereintrag oder solange kein Jahresabschluss vorliegt, jeweils bis 5 Mio. Umsatz. Wer das Fenster verpasst, landet im regulären Tarif, der Jahresabschluss und Finanzkennzahlen verlangt. Eine Frage lohnt sich davor, wenn dir die GmbH allein gehört: welche Risiken die D&O beim Gesellschafter-Geschäftsführer überhaupt trägt.
Für alle vier Versicherungen gilt am Ende dasselbe: Wähle die Summe nach Schadenpotenzial und Vertrag, prüfe die Staffel, und hol dir die nächsthöhere Stufe dann, wenn sie wenig kostet. Den Gesamtüberblick über die Beiträge je Phase findest du im Guide zu den Kosten der Startup-Versicherung.
Stand 09/2026. Maßgeblich sind die Bedingungen und der Versicherungsschein deines Vertrags.
Haeufige Fragen
Welche Versicherungssumme braucht ein Startup?
So viel, wie dein größter realistischer Schaden kostet, und mindestens so viel, wie deine Kundenverträge fordern. In der IT-Haftpflicht sind bei jungen Software-Startups 500.000 € bis 1 Mio. üblich, in der Betriebshaftpflicht 3 Mio. pauschal, in der Cyber 100.000 € bis 500.000 € und in der D&O 250.000 € bis 1 Mio.
Richtet sich die Versicherungssumme nach dem Umsatz?
Nein. Der Umsatz ist eine Rechengröße für den Beitrag, nicht für die Summe. Ein Team mit 50.000 € Umsatz kann bei einem Enterprise-Kunden einen Schaden im Millionenbereich auslösen. Maßgeblich ist, was ein Fehler bei deinen Kunden anrichtet und wie viele Kunden derselbe Fehler gleichzeitig trifft.
Was bedeutet zweifach maximiert?
Die Deckungssumme gilt je Versicherungsfall, und zusätzlich gibt es eine Jahreshöchstleistung. Zweifach maximiert heißt, dass dir die vereinbarte Summe im Versicherungsjahr insgesamt zweimal zur Verfügung steht, dreifach maximiert entsprechend dreimal. Nach einem großen Schaden bist du also nicht ohne Schutz, solange die Jahreshöchstleistung nicht verbraucht ist.
Sind Abwehrkosten in der D&O-Versicherungssumme enthalten?
In der D&O ja: Die Kosten für Anwälte und Gutachter werden auf die Versicherungssumme angerechnet und verbrauchen sie, bevor überhaupt Schadenersatz fließt. Manche Anbieter stellen ein Zusatzlimit für Abwehrkosten obendrauf, je nach Anbieter bis 50 % der Summe, höchstens 1 Mio. €. Das gehört in jeden Vergleich.
Kann ich die Versicherungssumme während der Laufzeit erhöhen?
Innerhalb der Grenzen deines Antragsmodells geht das per Nachtrag, meist in wenigen Tagen, der Beitrag wird anteilig angepasst. Oberhalb dieser Grenze folgen ein Risikofragebogen und eine Einzelzeichnung. Rückwirkend geht es nie: Für einen bereits bekannten Fall gilt weiterhin die alte Summe.
Mein Kunde verlangt 10 Mio. Deckung: bekomme ich das als Startup?
In der IT-Haftpflicht und der Betriebshaftpflicht ist das oft möglich. In einem geprüften Fall kostete die Stufe von 5 auf 10 Mio. in der IT-Haftpflicht 1.542,54 € brutto mehr im Jahr, in der Betriebshaftpflicht rund 40 € netto. In der D&O ist bei 1 Mio. Schluss, solange du im Startup-Tarif bist.