D&O als Gesellschafter-Geschäftsführer: Brauchst du sie, wenn dir die GmbH gehört?
Von Tim Gorke. Aktualisiert am 26.09.2026. Lesezeit 7 Min.
Ja, auch wenn dir die GmbH allein gehört. Ansprüche deiner eigenen Firma gegen dich laufen dann faktisch leer. Gefährlich wird es von außen: Insolvenzverwalter nach § 15b InsO, Finanzamt nach §§ 34, 69 AO, Sozialversicherung und Dritte. Eine eigenständige Startup-D&O mit 250.000 € Deckungssumme kostet gut 1.000 € brutto im Jahr (1.022,59 €, Stand 08/2026). Das ist ein Startup-Tarif, ein etabliertes Unternehmen zahlt für dieselbe Summe andere Beiträge.
Warum eine D&O, wenn dir die GmbH selbst gehört?
Weil die Risiken, die dich wirklich treffen können, nichts mit deinen Gesellschaftern zu tun haben.
Der klassische Fall der D&O ist die Innenhaftung: Die GmbH verlangt Schadenersatz von ihrem Geschäftsführer, § 43 Abs. 2 GmbHG. Diese Ansprüche verjähren nach fünf Jahren (§ 43 Abs. 4 GmbHG). Wenn dir die GmbH allein gehört, läuft die Innenhaftung faktisch leer. Du müsstest dich selbst verklagen, und das macht niemand freiwillig.
Das sagen wir offen, weil der Rest sonst nicht glaubwürdig ist. Real bleiben vier Risiken:
| Risiko | Wer kommt auf dich zu | Grundlage |
|---|---|---|
| Insolvenz | Insolvenzverwalter | § 15b InsO, Zahlungen nach Insolvenzreife |
| Steuern | Finanzamt, per Haftungsbescheid | §§ 34, 69 AO |
| Sozialversicherung | Einzugsstelle der Krankenkasse | nicht abgeführte Arbeitnehmeranteile |
| Außenhaftung | Kunden, Lieferanten, Banken | direkte Ansprüche gegen dich persönlich |
Und die Innenhaftung ist nicht für immer tot. Sobald ein Mitgründer dazukommt, ein Investor einsteigt oder du Anteile verkaufst, sitzt dir plötzlich jemand gegenüber, der Ansprüche der Gesellschaft gegen dich prüfen kann. Wie das im Grundsatz funktioniert, steht in unserem Überblick zur Managerhaftung und D&O im Detail.
Zahlt die D&O, wenn das Finanzamt dich persönlich haftbar macht?
Nach dem Wortlaut der von uns geprüften Bedingungen ja, eine ausdrückliche Steuerklausel steht aber nicht in jedem Werk.
Die Mechanik dahinter ist kurz erklärt. § 34 AO macht dich als Geschäftsführer dafür verantwortlich, die Steuern der GmbH aus den Mitteln zu zahlen, die du verwaltest. § 69 AO lässt dich persönlich haften, wenn du diese Pflicht vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt. Der typische Fall ist Lohnsteuer oder Umsatzsteuer, die in einer Liquiditätskrise nicht mehr abgeführt wurde.
Drei Punkte, die in der Praxis zählen:
- Der Haftungsbescheid ist der Auslöser. In den geprüften Werken gilt er als erstmalige schriftliche Erhebung eines Anspruchs, also als Versicherungsfall.
- Grobe Fahrlässigkeit ist versichert. Ausgeschlossen ist die wissentliche Pflichtverletzung, in einem geprüften Werk sogar nur der direkte Vorsatz. Genau die grobe Fahrlässigkeit ist aber die Schwelle, ab der § 69 AO greift.
- Anwalts- und Steuerberaterkosten zählen in den geprüften Werken zu den Abwehrkosten. Diese Abwehrkosten werden allerdings auf die Versicherungssumme angerechnet, sie kommen nicht obendrauf.
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Ein Bedingungswerk nennt §§ 34, 69 AO ausdrücklich, ein anderes stützt sich nur auf die allgemeine Formulierung von den gesetzlichen Haftpflichtbestimmungen. Und Säumniszuschläge sind in keinem der geprüften Werke ausdrücklich eingeschlossen.
Praxis-Tipp: Leg gegen den Haftungsbescheid innerhalb eines Monats selbst Einspruch ein (§ 355 AO). Diese Frist läuft unabhängig davon, wie schnell der Versicherer reagiert. Wer sie verstreichen lässt, verliert die Verteidigungsmöglichkeit, obwohl die Police an sich greift.
Was passiert in der Insolvenz?
Dort kommt der Anspruch von jemandem, der keine Rücksicht auf dich nimmt: vom Insolvenzverwalter.
Nach § 15b InsO darfst du ab dem Eintritt von Zahlungsunfähigkeit oder Überschuldung grundsätzlich keine Zahlungen mehr aus dem Gesellschaftsvermögen leisten. Tust du es trotzdem, musst du sie erstatten. Entscheidend ist dabei nicht der wirtschaftliche Gesamtschaden, sondern die Summe der einzelnen Zahlungen. Gehälter, Mieten und Serverrechnungen aus drei Monaten ergeben schnell einen sechsstelligen Betrag, auch bei einem kleinen Team.
Der Insolvenzverwalter rekonstruiert das im Nachhinein anhand der Kontoauszüge. Und er prüft routinemäßig, ob eine D&O besteht, denn die Police ist für ihn eine zusätzliche Haftungsmasse. Genau dieser Anspruch trifft dich auch dann, wenn dir 100 % der Anteile gehören. Wie solche Fälle typischerweise ablaufen, zeigen wir an echten Konstellationen in unserer Analyse zu Startup-Pleiten und Managerhaftung.
Wer ist versichert: nur du oder auch Mitgründer und Investoren-Geschäftsführer?
Alle Organe sind automatisch mitversichert, einzelne Personen lassen sich nicht herausnehmen.
Versicherungsnehmerin ist die GmbH, nicht du. Versichert sind pauschal die Organe der Gesellschaft, also auch der Geschäftsführer, den ein Investor stellt. Das ist kein Detail, sondern die häufigste Rückfrage in dieser Konstellation:
- Investoren-Geschäftsführer herausnehmen: geht nicht. Das Organprinzip kennt keine namentlichen Ausschlüsse. Mehrbeitrag kostet die zusätzliche Person auch nicht.
- Konzern-D&O des Investors: Wenn dein Investor anbietet, deine GmbH als Beteiligung in seine Police aufzunehmen, prüf Beteiligungshöhe und Innenhaftung. Nicht jede Konzernpolice deckt Ansprüche der Tochtergesellschaft gegen deren eigenen Geschäftsführer.
- Beteiligungsabzug: Manche Werke kürzen die Leistung um deine eigene Beteiligungsquote. In einem der von uns geprüften Bedingungswerke kommt eine solche Klausel nicht vor. Geprüft haben wir das für den regulären Unternehmenstarif, nicht für den Startup-Tarif. Bei einer hohen eigenen Quote ist das die Frage, die du stellen solltest.
- Anstellungsvertrag: In einem unserer Fälle verlangte der Geschäftsführervertrag eine D&O mit mindestens 1 Mio. € Deckungssumme während der Anstellung und für 12 Monate danach. Solche Klauseln tauchen regelmäßig auf, sobald externe Geschäftsführer oder Investoren im Spiel sind.
Wie sich diese Themen im Finanzierungsprozess auswirken, ordnen wir in unserem Leitfaden zur Versicherungsprüfung in der Due Diligence ein.
Ob deine Konstellation in einen Startup-Tarif passt, hängt an Gründungsdatum, Umsatz, Gesellschafterstruktur und Finanzierungsplanung. Das lässt sich in einem Gespräch schneller klären als per Formular.
Wann solltest du die D&O abschließen?
Bevor du weißt, dass etwas schiefgelaufen ist.
Die D&O folgt dem Claims-made-Prinzip. Versicherungsfall ist nicht die Pflichtverletzung, sondern die erste schriftliche Inanspruchnahme. Die Police muss also laufen, wenn der Anspruch bei dir ankommt, nicht als der Fehler passiert ist.
Daraus folgen zwei Dinge:
- Die Rückwärtsdeckung ist stark. Für Pflichtverletzungen, die du beim Antrag nicht kanntest, ist sie häufig zeitlich unbegrenzt. Alte Fehler aus der Gründungsphase sind also grundsätzlich mit drin.
- Sie endet bei Kenntnis. Wer den Haftungsbescheid oder die Anwaltsmail schon im Postfach hat und erst dann abschließt, hat für diesen Fall keinen Schutz. Bekannte Umstände sind nie gedeckt.
Dazu kommt das Zugangsfenster. Die Startup-Tarife der D&O-Spezialversicherer sind nur für junge Gesellschaften gedacht: bei einem Anbieter bis 18 Monate nach der Gründung, beim anderen bis 36 Monate nach dem Handelsregistereintrag oder solange noch kein Jahresabschluss vorliegt, jeweils bis 5 Mio. € Umsatz. Sie enden bei 1 Mio. € Deckungssumme. Wer das Fenster verpasst, landet im regulären D&O-Tarif, der Jahresabschlüsse und Finanzkennzahlen verlangt. Wie du innerhalb dieser Grenzen die passende Versicherungssumme für dein Startup herleitest, steht in einem eigenen Guide, samt Staffeln für IT-Haftpflicht, Cyber und D&O.
Einer der Anbieter fragt im Antrag, ob in den nächsten 18 Monaten zusätzliche Finanzierung nötig ist, um die geplanten Investitionen und Verbindlichkeiten zu bedienen. Nach unserer Lesart ist damit ein Finanzierungsbedarf gemeint, nicht jede geplante Finanzierungsrunde. Bestätigt hat uns der Versicherer diese Auslegung nicht. Ein Ja führt dort in eine Einzelprüfung, die Beitrag, Bedingungen oder die Annahme verändern kann.
Der Einstieg eines Investors selbst ist unkritisch: Er ist je nach Anbieter innerhalb von zwei Monaten anzuzeigen, am Versicherungsschutz ändert er nichts. Praktisch heißt das trotzdem: abschließen, bevor der Investor da ist. Welche Policen in welcher Phase sinnvoll sind, haben wir für die Pre-Seed- und Seed-Phase und im aktuellen D&O-Überblick für Startups zusammengestellt.
Und noch ein Punkt für den Tag, an dem du aufhörst: Nach dem Ausscheiden greift die Nachmeldefrist. Je nach Bedingungswerk ist sie zeitlich unbegrenzt oder liegt bei 120 Monaten, letzteres erst nach mindestens einem vollen Versicherungsjahr.
Was kostet eine D&O, und wovon hängt der Preis ab?
Für eine eigenständige Startup-D&O, zweifach maximiert, sehen die aktuellen Jahresbeiträge so aus:
| Deckungssumme | Anbieter A (Umsatz bis 1 Mio. €) | Anbieter B (Umsatz bis 5 Mio. €) | Stand |
|---|---|---|---|
| 250.000 € | 1.022,59 € brutto | 1.289,96 € brutto | 08/2026 |
| 500.000 € | 1.394,87 € brutto | 1.551,76 € brutto | 08 und 09/2026 |
| 1 Mio. € | 1.590,44 € brutto | 2.101,54 € brutto | 07 bis 09/2026 |
Wichtig zur Einordnung: Das sind Beiträge aus Startup-Tarifen. Ein etabliertes Unternehmen zahlt für dieselbe Summe andere Beiträge, oft deutlich weniger, weil die Bilanz vorliegt und das Insolvenzrisiko anders bewertet wird. Eine GmbH aus 2021 zahlt für 1 Mio. € Deckungssumme 791,35 € brutto (Stand 08/2026), also etwa die Hälfte. Umgekehrt gilt: Ohne Startup-Tarif und bei 1,5 Mio. € Umsatz liegen 5 Mio. € Deckungssumme je nach Versicherer zwischen 3.063,06 € und 5.826,24 € brutto (Stand 07/2026).
Bei Anbieter A gibt es 5 % Nachlass, wenn parallel eine Cyberversicherung mit Eigenschaden, Haftpflicht und Betriebsunterbrechung läuft. Aus 1.590,44 € werden dann 1.510,92 €. Auch das bleibt ein Startup-Tarif, mit derselben Einschränkung wie oben.
Zwei Fälle aus unserer Beratung
Aus unserer Beratung: Ein Team mit zwei Geschäftsführern fragte, ob die persönliche Inanspruchnahme durch das Finanzamt über die Police gedeckt ist, weil sie im Bedingungswerk keine ausdrückliche Regelung fanden. Unsere Antwort: nach dem Wortlaut ja, Säumniszuschläge bleiben offen, und der Einspruch muss innerhalb eines Monats raus.
Der zweite Fall war eine Gründerin, die ihre GmbH über eine Holding allein hielt und 2 Mio. € Deckungssumme anfragte. Zwei Korrekturen: Die Innenhaftung läuft in dieser Struktur leer, relevant sind Insolvenz, Steuern und Außenhaftung. Und die Startup-Tarife enden bei 1 Mio. €. Für mehr wäre sie in den regulären Tarif gefallen, mit Jahresabschlüssen und Kennzahlen, die es in der Gründungsphase noch nicht gab.
Drei Irrtümer, die uns ständig begegnen
- Als Alleingesellschafter brauche ich keine D&O. Richtig ist nur der halbe Satz: Die Innenhaftung läuft leer. Insolvenzverwalter, Finanzamt und Sozialversicherung bleiben.
- Den Investoren-Geschäftsführer nehmen wir raus. Geht nicht, die Police versichert pauschal die Organe.
- Die D&O schließe ich ab, wenn es brennt. Wegen Claims-made und der Kenntnisgrenze funktioniert das nicht.
Wer diese Punkte früh klärt, spart sich die unangenehmen Fragen später. Für die Phase, in der das erste Team dazukommt, haben wir die typischen Stolperstellen unter Absicherung beim Aufbau des Teams beschrieben.
Stand 09/2026. Maßgeblich sind die Bedingungen und der Versicherungsschein deines Vertrags.
Haeufige Fragen
Brauche ich als Alleingesellschafter-Geschäftsführer eine D&O?
Die Innenhaftung läuft in dieser Konstellation faktisch leer, niemand verklagt sich selbst. Sinnvoll ist die Police wegen der Risiken, die von außen kommen: der Insolvenzverwalter nach § 15b InsO, das Finanzamt nach §§ 34, 69 AO, die Sozialversicherung und Ansprüche Dritter gegen dich persönlich. Sobald ein Mitgründer oder Investor dazukommt, ist auch die Innenhaftung sofort wieder relevant.
Zahlt die D&O, wenn das Finanzamt mich nach § 69 AO haftbar macht?
Nach dem Wortlaut der von uns geprüften Bedingungen ja. Der Haftungsbescheid gilt dort als erstmalige schriftliche Anspruchserhebung und löst den Versicherungsfall aus. Grobe Fahrlässigkeit ist versichert, die wissentliche Pflichtverletzung nicht. Zwei Einschränkungen: Eine ausdrückliche Steuerklausel steht nicht in jedem Werk, und Säumniszuschläge sind nirgends ausdrücklich eingeschlossen. Den Einspruch musst du innerhalb eines Monats selbst einlegen, § 355 AO.
Kann ich einzelne Geschäftsführer aus der D&O herausnehmen?
Nein. Die D&O versichert pauschal die Organe der Gesellschaft, nicht namentlich benannte Personen. Ein Geschäftsführer, den ein Investor stellt, ist damit automatisch mitversichert, und zwar ohne Mehrbeitrag. Umgekehrt lässt sich niemand herausnehmen, auch nicht, wenn sein Fonds eine eigene Police hat. Prüfe stattdessen, ob eine Konzernpolice des Investors die Innenhaftung in deiner GmbH überhaupt abdeckt.
Was bedeutet Claims-made bei der D&O?
Versicherungsfall ist nicht die Pflichtverletzung, sondern die erste schriftliche Inanspruchnahme. Die Police muss also laufen, wenn der Anspruch bei dir ankommt, nicht als der Fehler passiert ist. Für Pflichtverletzungen, die du beim Antrag nicht kanntest, gilt die Rückwärtsdeckung, häufig zeitlich unbegrenzt. Kennst du das Problem dagegen schon, ist es für diesen Fall zu spät.
Bis wann bekomme ich als Startup noch den günstigen Tarif?
Die Startup-Tarife sind nur für junge Gesellschaften gedacht: bei einem Anbieter bis 18 Monate nach der Gründung, beim anderen bis 36 Monate nach dem Handelsregistereintrag oder solange noch kein Jahresabschluss vorliegt, jeweils bis 5 Mio. € Umsatz. Sie enden bei 1 Mio. € Deckungssumme. Wer das Fenster verpasst, landet im regulären Tarif, der Jahresabschlüsse und Finanzkennzahlen verlangt.
Was kostet eine eigenständige D&O für ein Startup?
Mit 250.000 € Deckungssumme 1.022,59 € brutto im Jahr, mit 500.000 € zwischen 1.394,87 und 1.551,76 €, mit 1 Mio. € zwischen 1.590,44 und 2.101,54 € (Stand 07 bis 09/2026, zweifach maximiert). Das sind Startup-Tarife. Ein etabliertes Unternehmen zahlt für dieselbe Summe andere Beiträge, oft deutlich weniger, weil die Bilanz vorliegt und das Insolvenzrisiko anders bewertet wird.